Schlagwort-Archive: Wohnraummanagement

„Wir arbeiten mit höchster Effizienz an den falschen Themen.“

Das Titelzitat stammt von Prof. Dr. Günther Bachmann aus einem Vortrag, den er am 29. Juni 2018 an der HafenCity-Universität im Rahmen der Tagung ‚Netto-Null Flächenverbrauch‘, die gemeinsam vom BUND und der HCU organisiert wurde,gehalten hat.

https://www.bund-hamburg.de/fileadmin/hamburg/Themen/Flaechenschutz/Fachtagungen_Flaechenschutz_2016_17/BUND-HCU-Tagung_Programm_29-6-2018.pdf

Darüber möchte ich hier kurz berichten, wobei allerdings der Inhalt der Vorträge nur in einem Abriß erwähnt werden kann.

Etwas später werden, genau wie im letzten Jahr, die einzelnen Vorträge und die Power-Point-Präsentationen veröffentlich werden, deren Links wir dann von BUND bekommen werden. Da kann dann jeder Interessierte die einzelnen Beiträge selber nachlesen.

Ich werde diese natürlich HIER im Blog dann verlinken.

Professor-Bachmann

Herr Prof. Bachmann hat noch ein weiteres sehr markantes Zitat gebracht:

„Wir wachsen (planen) uns ARM.“

Hier die Internetseite des Rates für Nachhaltige Entwicklung, in dem Bachmann der Generalsekretär ist.

https://www.nachhaltigkeitsrat.de/

Es gab noch weitere sehr erhellende und unterhaltsame Zitate von ihm, aber leider gibt es kein Skript dieses frei gehaltenen Beitrages, aber man darf feststellen, daß der Herr den derzeitigen Planungen und Entwicklungen extrem kritisch gegenüber steht.

Und beide Zitate stehen genau für das, was auch wir hier in Rahlstedt hautnah erleben müssen.

Überhaupt wurde unser Problem ‚Rahlstedt 131‘ ziemlich oft erwähnt, denn es ist ein ‚gutes‘ Beispiel dafür, wie zwar gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen versprochen aber NIEMALS umgesetzt wurden.

Und aus dem Vortrag von Dr. Michael Melzer stammt diese Grafik, die sich mit der Behauptung deckt, wir würden uns ARM planen!

BaugebieteRechnenSichNichtFuerDieKommunen
Das wissen wir eigentlich schon lange, zumal es massenweise freie Gewerbeflächen gerade im Gebiet Wandsbek gibt, für die man keine Landschaftsschutzgebiete platt machen muß.
Diese Zahlen und Daten kann man HIER im Blog nachlesen.

Anfangs gab es noch kurze Statements der Vorsitzenden des BUND Maren Jonseck-Ohrt und Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg.

Letzterer erklärte noch einmal die Volksinitiative ‚Hamburgs Grün erhalten‘, was keinesfalls als Konkurrenz zum BUND gemeint sei. Man habe eben eine Art Arbeitsteilung.

https://hamburg.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/stadtentwicklung/gruen-erhalten/index.html

Danach ging es dann zum ‚ernsten Teil‘ des Tages über, nämlich den Fachvorträgen, die einigermaßen gemischt ausfielen. Einige waren eher in den Bereich ‚Polit-Propaganda‘ einzuordenen, wie zum Beispiel der von Margit Perdersen von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen.

Dazu gehörte aber auch der Beitrag von Kay Gätgens, dem Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel, der uns die tollen Planungen für ein Eimsbüttel 2040 darstellte.

Aber es gab natürlich auch die Beiträge, die sich deutlich kritisch mit den Planungen und den Realitäten auseinandersetzten, wie vor allem der von Manfred Braasch von BUND Hamburg, der diese Tagung mitorganisiert hatte.

ManfredBraasch

Die beiden Grafiken ganz oben, die die drastische Entwicklung bei der Flächenversiegelung allein in Hamburg deutlich zeigen, stammten auch aus seinem Beitrag.

Man kann diese jederzeit auf http://www.hamburg.de/flaechenversiegelung ansehen.

FlaechenversiegelungHamburg

8 mal die Fläche der Außenalster wird in Hamburg derzeit jedes Jahr versiegelt! Das ist schon ziemlich eindrucksvoll.

Vor allem sprach er sehr überzeugend die Zielkonflikte an, die dem Flächensparen entgegen stehen.

Zielkonflikte

Und daß das nicht in der Praxis umgesetzt wird, sieht man drastisch an den Grafiken am Anfang!

Und auch bezüglich unseres Problems waren die Fakten aufschlußreich, obwohl wir das natürlich eigentlich schon wußten.

AusgleichsflaechenRahlstedt105-Umsetzung

18 lange Jahre wurde hier NICHTS getan, um die angeblich gesetzlichen Vorschriften tatsächlich umzusetzen! Und jetzt werden sie einfach mit Rahlstedt 131 überplant und es gibt neue Versprechungen, die wahrscheinlich dann auch nicht gehalten werden.

Viel Vertrauen in die Politik und die Verwaltung ist jedenfalls keineswegs angesagt!

‚Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.‘

BUEGutachten-UmsetzungAusgleichsflaechen

In einer EIGENEN Untersuchung hat die BUE (Behörde für Umwelt und Energie von Senator Kerstan, GRÜNE) feststellen müssen, daß mehr als die Hälfte aller Ausgleichsflächen-Umsetzungen nur mäßig bis GAR NICHT umgesetzt wurden, darunter Rahlstedt 105!

In den Beitrag von Prof. Dr. Alain Thierstein gab es einige spannende Zahlen in Sachen Flaechenverbrauch auf verschiedenen Ebenen, wie zum Beispiel dem Wohnungsbau oder den verschiedenen Verkehrsarten.

AlainThierstein

Zunächst beschäftigte er sich mit der zunehmend größer werdenden Wohnfläche pro Kopf und der deswegen bebauten Fläche.

Flaechenversiegelung1960-2012Wohnraum

Da sehen wir, daß die mit Wohnraum zugebaute Fläche in Hamburg 1960 erheblich geringer war, als 2012, obwohl es damals WENIGER EINWOHNER gab!

Die Anspruchshaltung der Wohnungssuchenden wurde also immer größer in Sachen Quadratmeter! So zum Beispiel der Trend zum Einfamilienhaus!

Wie ich schon in einem Beitrag geschrieben habe, wird sich der Trend wieder umkehren MÜSSEN, weil die zu bebauende Fläche immer geringer und auch teurer wird.

Warum das so ist, fragte mal DIE ZEIT den Stararchitekten Koolhaas, der diesen Trend auf das Konsumverhalten und den Druck auf die Menschen zurückführte.

Zitat-RemKoolhaas

Hierzu paßt noch ein Filmchen, das wohl auch mit dem BUND zusammen erstellt wurde und vor allem Kindern zeigen soll, wie man Flächen sparen könnte, wenn man Wohnraum bauen möchte.

Allerdings vergessen die ein wenig, daß die Menschen ein eigenes Haus vorziehen, weil sie dort tatsächlich einigermaßen ungestört leben können.

In Reihenhaussiedlungen oder Mehrgeschoßhäusern hat man keinerlei wirkliche Freiheiten!

Und DAS ist ihnen dann schon etwas mehr Geld wert.

Und dann war da noch sehr interessant der Flächenverbrauch durch Verkehrsmittel, was nur bedingt im Focus der Meinungen steht, außer vielleicht dem tatsächlichen Verkehrswegebau, wie Straßen, Schienen etc.

flaechenbedarf-verkehr-pkw-radverkehr-fussgaenger-strassenbahn-bus-oepnv-flaechen-flaechenaufteilung_580px
Diese Grafik stammt von der Seite: https://www.zukunft-mobilitaet.net/78246/   Allerdings scheinen mir die angegebenen Geschwindigkeit für Innenstädte kaum zu erreichen.

Nach meinen Erfahrungen über den Bordcomputer meiner Taxen liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit selbst nachts keinesfalls über 25 km/h. Tagsüber sogar deutlich unter 20!

Und für ein Rad, wie mir einige Radler sagten, sind 30 km/h schon mehr als schnell!
immerhin ist es erstaunlich, daß auch ein Rad einen ziemlich großen Flächenverbrauch hat!

In einem Vortrag von Dr. Philine Gaffron von der TUHH wurde zum Beispiel angesprochen, daß etwa 36% der Siedlungsflächen in Hamburg vom VERKEHR eingenommen werden!

Und auch die Verkehrsbelastung wird immer größer, obwohl die Zahl der PKW weniger wird, dafür aber die Zahl der Zulieferfahrzeuge wegen des Onlinehandels, vor allem auch wegen der vielen Rücksendungen!

Hier ein Foto, das sie selber in einer Straße in Eimsbüttel gemacht hat, zugestellt von drei Zulieferfahrzeugen!

 

Zulieferverkehrsproblem

Sie hat dann auch versucht, ein paar Alternativen für innerstädtischen Zulieferverkehr aufzuzeigen, wie Elektroräder etc.

Und Dr. Julian Petrin von der Firma Urbanista in Hamburg sprach dann noch mal die vielen Konflikte an, die einer Innenverdichtung entgegen stehen.

JulianPetrin

Flaecheninnenentwicklung-KaumMehrMoeglich

Wie ich in meinem Beitrag ‚Mit Stadtverdichtung zu Ghettos und Bürgerkrieg‘ schon hingewiesen habe, sind viele Grünflächen essentiell für eine gute Lebensqualität, was in den Vorträgen durchaus immer wieder angesprochen wurde, aber da die Flächen nun mal endlich sind, kann man NICHT in gleichem Maß wie man Flächen vernichtet, Grünflächen schaffen!

https://antivictoriapark.wordpress.com/2017/07/19/danke-mit-stadtverdichtung-zu-ghettos-und-buergerkrieg/

Lohsepark
Lohsepark in der Hamburger Hafen City (Foto: SHZ.de)

Dieser Park hier oben wird immer gerne als Beispiel herangezogen, daß man in Hamburg ja auch NEUE GRÜNFLÄCHEN schafft! Aber so ein Park ist zwar GRÜN, aber trotzdem kaum erholungswirksam! Viel zu korrekt geplant, um sich da wohl zu fühlen. Selbst in 20 Jahren wird er nicht wirklich heimelig sein.


Ganz abgesehen von der Tatsache, daß man dort den HANNOVERSCHEN BAHNHOF zerstört hat, der eigentlich ein Museum für die Juden-Deportation hätte werden sollen, denn von hier aus wurden fast alle Hamburger Juden deportiert!

Der Hanoversche Bahnhof 2

Die Unterschrift meines Fotos von 2007 beschreibt den damaligen Stad der Planung, aber die Schlickfinger der Bodenspekulation haben das verhindert! Heute gibt es da nur eine winzige Gedenktafel.

 

Und dann war da noch die Abschlußdiskussion, an der neben einigen Vortragenden auch unser Hamburger Umweltsenator Kerstan teilnahm.

Enddiskussionsrunde

Die Diskussion von etwas über 1 Stunde Dauer kann man HIER nachhören und sich runterladen!

https://www.dropbox.com/s/k0t96l4ak2j40v4/BUNDTagung290618AbschlussDiskussion.m4a?dl=0

Dabei fiel besonders auf, daß unser guter Senator nahezu die ganze Zeit mit einem GRINSEN dasaß, daß ich mich fragte, ob der Mann geistig überhaupt anwesend sei?

Und er gab auch ein paar erhellende Antworten, zum Beispiel daß Rahlstedt 131 eine FEHLPLANUNG sei!

Dazu noch die Teilnehmer, die wir noch nicht bildlich kennengelernt haben, wie Kay Gätgens.

KayGaetgens

Herr Berthold Eckebrecht, der Vizepräsident der Hamburger Architektenkammer.

BertholdEckebrecht
Und dann noch der Gastgeber Prof Jörg Knieling von der HCU. Er gab vor allem Jens Kerstan wirklich gut Kontra!

JoergKnieling

 

 

 

 

 

 

 

Werbeanzeigen